SP Basel-Stadt

Website von Barbara Heer

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Grosser Rat

Seit März 2018 bin ich für die SP Basel-Stadt im Grossen Rat. Lesen Sie hier nach, welche Themen mir als Politikerin wichtig sind.

Dialog

Beruflich bin ich tätig im interreligiösen Dialog und initiere Begegnungsprojekte.

Stadtforschung

Als Stadtethnologin interessiere ich mich wissenschaftlich für das Zusammenleben in Städten.


Blogbeiträge

 

Visionen einer feministischen Stadtentwicklung

Für den Parteitag der SP Basel-Stadt «Basel für alle 2035» (24.05.2018) habe ich mir die Zeit genommen, über Feminismus & Stadtentwicklung nachzudenken und zu lesen. Gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse werden in räumliche Strukturen eingeschrieben, Räume und Städte sind vergeschlechtlicht. Wie wir unsere Räume gestalten, beeinflusst die Teilnahme am politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben für Frauen, Migrant*innen, LGBT, Menschen mit Behinderung, Arme, Obdachlose etc. Wie also müsste eine feministische Stadt- und Raumpolitik aussehen?

In den 1970ern und 1980ern waren feministische Forderungen in Raumplanung und Architektur einflussreich. Eine klassische feministische Forderung war z.B., dass monofunktionale Quartiere ein Problem sind, gerade für Frauen. Vor allem Frauen wiesen darauf hin, dass lange Wege vom Wohnort zum Arbeitsort Vereinbarkeit Familie & Beruf erschweren; je kürzer die Distanzen, je gemischter die Nutzungsformen, desto besser für Menschen mit Betreuungspflichten. Eine zweite Forderung war, dass der Verkehr weg von Auto zum ÖV soll, weil damals die Männer mit dem Auto zur Arbeit fuhren, und die Frauen ohne Auto zuhause sassen. Viele von diesen Forderungen sind heute im Mainstream der Raumplanung angekommen: Schlafstädte bauen gilt als out, Nutzungsvielfalt gehört heute zum guten Ton in der Planung. Die Forderung weg von Auto zu ÖV ist wegen der Umweltschutzthematik in den 1980ern heute auch Mainstream geworden; das Bewusstsein, dass dies mal feministische Forderungen waren, ist vergessen gegangen.

Aber: Auch wenn viele feministische Forderungen in den Mainstream übergegangen sind, heisst es noch lange nicht, dass sie in Entscheidungsprozessen Priorität erhalten, dass sie nicht vergessen gehen und dass deren Umsetzung bereits erreicht ist. Es ist also wichtig, dass wir uns dafür einsetzen, dass die Raum- und Stadtentwicklung gender- und diversitätsgerecht passiert; dass der städtische Raum entsprechend den Bedürfnissen der Nutzerinnen bebaut wird; dass alle Familien- und Lebensformen in der Stadt ein Zuhause finden.

Weitere Aspekte für eine feministische Stadtentwicklung:

1) Wie ist unbezahlte und bezahlte care-Arbeit in Basel räumlich organisiert? «Schlafstädte», «Wohnungen», «Wohnquartiere» sind eigentlich Arbeitsorte - Ort der Hausarbeit und Kinderbetreuung. Arbeitsorte sind zudem auch Care-Orte (z.B. Kinderbetreuung für Kinder der Arbeitnehmenden, Orte zum Stillen). Abgesehen von den ungenügenden Kapazitäten von Tagesbetreuung ist auch die räumliche Anordnung wichtig – im Quartier, bei der Arbeit, möglichst kurze Wege sind wichtig. Dass in der Stadt unbezahlte und bezahlte care-Arbeit besser organisiert wird, muss ein Kernanliegen einer feministischen Stadtentwicklung sein.

2) Wer baut unsere Stadt? Wie sähe unsere Stadt aus, wenn die meisten Bauherren, Raumplaner und Architekten Frauen wäre? Basel ist eine Architekturstadt; und zwar eine mehrheitlich von Männern gebaute/dominierte Architekturstadt. Es braucht mehr Frauen in den Gremien in den Planungsprozessen. Die gläserne Decke in der Planungsbranche geht uns alle an, denn diese Branche baut unsere Stadt. Sind Frauen & Migrant*innen in den Vorständen von Wohngenossenschaften genügend vertreten?  An der Universität wird eine männliche Architektur unterrichtet, es gibt kaum von Frauen besetzte Architektur-Professuren.

3) Stadt für alle, Räume für alle: Nutzungsbedürfnisse aller Nutzerinnen und Nutzer müssen bedacht werden, und am Schluss braucht es Abwägungen, Entscheidungen bei Zielkonflikten, was ist wichtiger als anderes – dafür braucht es Diversität/Frauen in den Gremien! Es sind Gender- und Diversitäts-Aspekte, die im Prinzip jeder Bau- oder Planungsträgerschaft bekannt sind, die aber oft vergessen gehen oder als weniger wichtig gesehen werden, weil niemand dafür einsteht. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass die Gender- und Alltagsgerechtigkeit einen wichtigen Stellenwert hat (Gender Mainstreaming). Z.B. genügend (Frauen)-Toiletten, Velogarage mit Tageslicht, weg von «wie wird der Ort aussehen» hinzu «wie wird der Ort erlebt». Un-Orte, wo Menschen sich wegen der Architektur, wegen Lichtverhältnissen o.ä. unwohl fühlen, sollen umgestaltet werden.

4) Soziale Infrastruktur von Quartieren: das Lädelisterben geht weiter, Poststellen in den Quartieren verschwinden, viele Services werden neu online gekauft und gebracht von prekär bezahlten Angestellten. Quartiere brauchen lokalen Sozialräume und Nachbarschaftsnetzwerke. Kirchgebäude stehen leer in Quartieren. Wie kann die informelle, soziale Infrastruktur gefördert werden in Quartieren?

5) Partizipation in Planungsprozessen ist eine ur-feministische Forderung und heute auch Mainstream. Doch gerade Migrant*innen und Personen mit Betreuungspflichten gehen häufig nicht an Partizipationsanlässe. Wir müssen uns dafür einsetzen, dass es echte Formen von Partizipation gibt, und nicht nur pro-forma. Wenn die bisherigen Formen der Partizipation nicht genügen, müssen neue her. Gerade in der Stadtentwicklung könnten Menschen ohne Bürgerrecht mitwirken. Dieses Potential müssten wir mehr nutzen.